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Interview GARAIO REM AG

Beat Rohrbach
CEO, GARAIO REM AG
Next Property AG:
In Zusammenhang mit der Beteiligung von SMG an Flatfox wurde spekuliert, ob nun als nächstes der ERP-Markt ins Auge gefasst und GARAIO REM übernommen werde. Zum Teil kursierten Falschmeldungen, zum Beispiel dass SMG bereits an GARAIO REM beteiligt sei. Starten wir doch mit ein paar Facts - wie sehen die Beteiligungsverhältnisse bei GARAIO REM tatsächlich aus?

GARAIO REM AG:
Tatsächlich kursieren leider falsche Informationen und wir schätzen die Gelegenheit, im Rahmen dieses Interviews Klarheit schaffen zu können. Die Mehrheit der GARAIO REM Aktien befindet sich im Besitz des operativen Führungsteams und von zwei langjährigen Mitgliedern des Verwaltungsrats. Daneben hält die Mobiliar seit 2019 eine Minderheitsbeteiligung. Damals verfolgten wir bei GARAIO REM das Ziel, ein umfassendes Mieterportal zu entwickeln. Wir konnten die Mobiliar, welche gerade ihr Ökosystem «Mieten, Kaufen, Wohnen» weiter ausbauen wollte, von dieser Vision überzeugen und starteten dann gemeinsam das Vorhaben mit der Gründung von aroov. Im Rahmen dieser Partnerschaft beteiligte sich die Mobiliar in der Form einer Minderheitsbeteiligung an GARAIO REM und wir wiederum hielten eine Minderheitsbeteiligung an aroov, welche später zu einer Beteiligung an Flatfox wurde.

Im Zuge der Übernahme von Flatfox durch SMG haben wir unsere Flatfox-Anteile verkauft. Es gab und gibt somit keine Beteiligung von SMG bei uns und auch wir halten keine Beteiligungen an Firmen aus dem „SMG-Universum“. Aussagen in diese Richtung sind nicht korrekt.

Ob sich die kürzlich in den Medien zu lesende Fokussierung der Mobiliar aufs Kerngeschäft auch auf die Minderheitsbeteiligung an der GARAIO REM AG auswirken wird, ist uns nicht bekannt. Anzeichen dafür gibt es aktuell keine. Sollte sich die Mobiliar dennoch eines Tages entscheiden, für ihre GARAIO REM Anteile einen neuen Käufer zu suchen, dann würden wir selbstverständlich die eingeräumten Vorkaufsrechte prüfen.

Next Property AG:
Auch wenn die Beteiligungen an Aroov und Flatfox nicht mehr bestehen, erscheint die Vermutung einer gewissen "Nähe" zu SMG nicht unbegründet, oder?

GARAIO REM AG:
Klar, wer dies unbedingt möchte, kann sich die Geschichte so zurechtreimen. Aber Fakt ist, wir sind nicht näher oder weiter weg an SMG, wie die anderen Immobilien-ERPs auf dem Markt. Wie vorhin erläutert, war aufgrund unserer Beteiligung aroov zu Beginn unser „prefered Partner“ im Bereich des digitalen Vermietungsprozesses, aber wir haben rasch verstanden, dass unsere Kunden es bevorzugen, wenn sie die für sie am besten passenden „Digitalisierungs-Bausteine“ wählen und sich auf eine optimale Integration ins ERP verlassen können. Daher arbeiten wir schon lange sehr intensiv mit verschiedenen PropTechs zusammen – im Bereich der Erst- und Wiedervermietung zum Beispiel auch erfolgreich mit der emonitor AG.

Next Property AG:
Schauen wir nun nach vorne. Welche strategischen Themen stehen für GARAIO REM im Jahr 2024 im Vordergrund?

GARAIO REM AG:
Mit unserer Immobilien-Software werden in der Schweiz mehr als 1.5 Mio. Objekte verwaltet. Jeden Tag verlassen sich sehr viele Immobilienfachleute darauf, dass sie ihre Arbeit mit unserer Software effizient und in hoher Qualität erledigen können. Unserer grossen GARAIO REM Community fühlen wir uns sehr verpflichtet. Wir legen daher viel Wert darauf, unsere verschiedenen Software-Produkte mit durchdachten Funktionen zu erweitern und technologisch zu erneuern.

Ein Thema, welches unsere Kunden täglich beschäftigt, ist die Verarbeitung der Kreditorenrechnungen. Wir haben uns deshalb im 2024 zum Ziel gesetzt, diesen zentralen Prozess nochmals deutlich zu optimieren und wollen künftig unserer Community eine eigene, für die Immobilienbranche optimierte Lösung für die automatische Verarbeitung der Kreditorenrechnungen bieten. Dank dem Einsatz künstlicher Intelligenz und der bei GARAIO REM generell gross geschriebenen Benutzerfreundlichkeit dürfen sich die Anwender auf eine sehr effiziente Abwicklung freuen – mit unserer Lösung werden Rechnungen automatisch korrekt vorkontiert und wenn der Kunde dies wünscht, sogar gänzlich ohne „Human Interaction“ verarbeitet.

Weitere Themenschwerpunkte haben wir für die kommenden Monate bei der Interaktion mit Mietern und Eigentümern gesetzt: Wie werden Mieteranfragen möglichst effizient bearbeitet? Wie können die Immobilieneigentümer optimal mit den gewünschten Informationen und Dokumenten bedient werden? Wie lassen sich die Aufgaben rund um eine Stockwerkeigentümerversammlung mit digitalen Hilfsmitteln einfacher erledigen? Dies ist nur eine Auswahl der Fragen, welche wir für unsere Community im 2024 beatworten werden – und dies nicht nur in der Deutschschweiz, sondern auch für die über 25 produktiven Kunden in der Romandie.

Next Property AG:
Ihr habt eure Community bereits mehrfach erwähnt. Laut eurer Kundenliste seid ihr bei grossen Verwaltungen und institutionellen Eigentümern in der Schweiz deutlich Marktführer. Ist GARAIO REM demnach hauptsächlich auf grosse Kunden ausgerichtet, oder können sich auch kleinere Verwaltungen in der Community wohlfühlen?

GARAIO REM AG:
Unser kleinster Kunde bewirtschaftet heute mit GARAIO REM 155 Objekte und von unseren insgesamt rund 200 produktiven Kunden haben rund ein Viertel weniger als 1‘000 Objekte im Portfolio. Dies zeigt deutlich, dass wir mit GARAIO REM in allen Kundensegmenten zu Hause sind und bei uns auch alle Kunden eine Stimme haben. Dies sogar explizit bei unserem jährlichen Community Voting, wo über die Themenschwerpunkte abgestimmt wird und jeder Kunde egal ob mit 155 oder mit 150‘000 Objekten gleich viele Stimmen hat.

Selbstverständlich spüren wir aufgrund der finanziellen Möglichkeiten etwas mehr Innovationskraft von den grossen Verwaltungen aber von solchen Weiterentwicklungen profitiert dann wieder die ganze Community, weil wir konsequent neue Funktionen aus Kundenprojekten in das Standardprodukt übernehmen.

Last but not least haben wir im letzten Jahr zudem gerade für kleinere Kunden ein preislich sehr attraktives Mietmodell eingeführt – GARAIO REM sei nur etwas für die grossen Verwaltungen, ist daher definitiv ein Vorurteil.
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